Parodontitis bei Rheuma?

Zahnbürste und Zahnprothese desinfizieren!

Mund- und Allgemeingesundheit hängen eng zusammen: So erkranken Patienten mit schwerer Parodontitis überdurchschnittlich oft an Rheuma, denn beide Erkrankungen beruhen auf chronischen Entzündungen. Eine gründliche Zahnpflege – auch der Zahnzwischenräume – und der regelmäßige Zahnarztbesuch nützen also auch den Gelenken. Doch was ist mit der Zahnbürste bzw. Zahnprothese? Damit Krankheitserreger nicht immer wieder einen Weg zurück in den Mund finden, sollte die Zahnbürste regelmäßig desinfiziert werden – zum Beispiel mit anti-infect. Das von Zahnärzten entwickelte Dentalspray schützt vor Keimen auf Zahnbürste und auf Prothese.

(Quelle: LÜCKENLOS – Das Patientenmagazin der Kassenzahnärztlichen Vereinigung 10/2013)

Parodontitis-Bakterien und Rheuma - die Wechselwirkungen

Parodontitis ist im Allgemeinen ein Risikofaktor für Herz- oder Gefäßerkrankungen. Allerdings gilt im Umkehrschluss auch: Diabetes, Fettsucht oder Osteoporose können Parodontitis fördern. Bei Rheuma ist dies der Fall. Wer unter dieser Krankheit leidet, hat ein annähernd sieben Mal höheres Risiko an Parodontitis zu erkranken.

Parodontitis und Rheuma haben eine wesentliche Gemeinsamkeit: die Entzündung. Bei Rheumatoide Arthritis bezieht diese sich auf Gelenke. Hierbei entzündet sich die Synovialmembran und damit die Innenauskleidung der Gelenke. Dadurch wird Knorpel und letztlich Knochen abgebaut, so dass Schmerzen bei Bewegungen entstehen. Neben Alter und Geschlecht sind auch genetische Anlagen, Rauchen oder Infektionen Ursache für eine Rheumatoide Arthritis. Bei der Infektion liegt der Überschneidungsbereich zur Parodontitis, denn eine bakterielle Infektion ist hierzu ausschlaggebend. Es bildet sich so ein Biofilm auf den Zähnen, der durch Bakterien und eine indirekte Immunantwort zu Schäden führt. Dadurch kommt es zu einer langsamen Degression des Zahnhalteapparats, was schlussendlich zu Zahnverlust führen kann.

Besonders fällt bei beiden Krankheiten auf, dass auf den Entzündungsreiz sehr stark reagiert wird. Zudem verursachen beide Krankheitsverläufe, dass Binde- und Knochengewebe angegriffen werden. Der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Rheumatoide Arthritis beläuft sich auf Bakterien. Über eine Reaktionskette wirkt sich so beispielsweise eine Bakterienart der Parodontitis direkt auf den Krankheitsverlauf von Rheuma aus. Dadurch können Gewebeschäden von Rheumapatienten durch Bakterien der Parodontitis verursacht werden. Im Umkehrschluss wurde dabei herausgefunden, dass sich eine nicht-chirurgische Zahnfleisch-Behandlung mit Pflegeanleitungen positiv auf Rheuma ausübt.

Gegen Parodontitis helfen gute Zahnbürstenhygiene und Mundhygiene, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Bakterientests. "Wird eine Parodontitis rechtzeitig im Frühstadium erkannt, so kann sie auch gut behandelt werden - ohne, dass ein Patient bleibende Schäden davon trägt", so Dr. Andreas Jung von der Zahnklinik Jung Rhein-Main.

(Quelle: Veröffentlichung der Zahnklinik Jung Rhein-Main)

Rheuma und Parodontitis beeinflussen sich gegenseitig  

Wunde Stellen, Wucherungen oder Schmerzen in der Mundhöhle sind auch mit anderen entzündlichen Prozessen im Körper verknüpft. Die Wissenschaft spricht heute von einer gegenseitigen Beeinflussung. Auch für rheumatische Erkrankungen gibt es dafür direkte Hinweise. Auf der einen Seite können entzündliche Erkrankungen der Mundhöhle, darunter Zahnbetterkrankungen (Parodontitis), erhöhte Risiken für einige Allgemeinerkrankungen darstellen. Andererseits können allgemeine Erkrankungen sich auf die Mundgesundheit auswirken und bereits frühzeitig in der Mundhöhle erkannt werden. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen weisen das nach. Der gefährlichen Parodontitis voraus geht eine Zahnbettentzündung, die sogenannte Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Die Gingivitis wird durch zahlreiche in der Mundhöhle vorkommende Bakterien und Mikroorganismen verursacht, die sich dort einnisten und zu einer chronischen Entzündung führen können. Ob sie sich weiter verstärkt und in eine Entzündung des gesamten Zahnbettes (Parodontitis) übergeht, hängt von der Menge und der Aggressivität der Mikroorganismen ab, aber auch davon, wie intakt das gesamte Immunsystem ist. Daneben gibt es zahlreiche Risikofaktoren, die diesen Entzündungsprozess verstärken.  

Parodontale Medizin 

Diese Risikofaktoren können jede Phase der Entzündung beeinflussen und erklären auch die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Mundhöhlenerkrankungen. Neben individuellen Risikofaktoren (Adipositas, Ernährungsfaktoren, Alter) zählen auch der sozioökonomische Status, Stress, Zigaretten- und Alkoholkonsum und genetische Faktoren dazu. Aber auch systemische Erkrankungen, darunter Diabetes mellitus, Osteoporose und Adipositas, konnten in Zusammenhang mit fortgeschrittenen Parodontitiden gebracht werden. Seit einigen Jahren ist andererseits auch bekannt, dass Patienten mit einer Parodontitis nicht nur unter einem lokalen Bindegewebs- und Hartgewebsverlust leiden, sondern auch ein erhöhtes Risiko für systemische Erkrankungen aufweisen. Dieser Zusammenhang wird als „parodontale Medizin“ bezeichnet. So konnte bei Parodontitis-Patienten eine Häufung von kardiovaskulären Erkrankungen wie Arteriosklerose, Myokardinfarkt und Schlaganfall nachgewiesen werden. In den vergangenen Jahren gab es auch zunehmend Hinweise für einen Zusammenhang zwischen der Parodontitis und rheumatischen Erkrankungen. 

Rheumatoide Zusammenhänge 

Parodontitis und RA sind beide durch einen Verlust von bindegewebigen und mineralisierten Strukturen gekennzeichnet. Im Verlauf kommt es zu einer Anreicherung von entzündlichen Zellen (Gingivitis, Parodontitis oder Synovitis im Gelenk), die den Abbau von Knochen- und Knorpelgewebe sowohl im Gelenk als auch im Zahnhalteapparat verursachen. Trotz intensiver Forschungsbemühungen ist der Grund dafür bei beiden Erkrankungen nicht klar, man beobachtet jedoch Zusammenhänge: Patienten mit einer RA erkranken bis zu achtmal häufiger an einer Parodontitis als „Gesunde“. In Studien konnte gezeigt werden, dass diese RAPatienten auffallend hohe Entzündungswerte aufwiesen. Die Schwere ihrer Parodontitis stand ebenso mit der Dauer und Aktivität der RA in Verbindung. Neuere Erkenntnisse zeigen nun, dass bei konsequenter Behandlung der Parodontitis die Entzündungsmarker von RA-Patienten im Blut sinken und sogar die Krankheitsaktivität nachlässt. In einer Studie an der Uniklinik in Pittsburgh wurden 40 RA-Patienten behandelt, die sowohl eine hohe Krankheitsaktivität als auch eine ausgeprägte Parodontitis hatten. Eine Reinigung des Zahnfleischs und die Behandlung der Infektionen im Mundraum linderten sowohl die Gelenkschmerzen, als auch die Zahl der geschwollenen Gelenke und die morgendliche Steifheit der Gelenke. In einer anderen wissenschaftlichen Untersuchung wurden Antikörper eines bakteriellen Mikroorganismus der Mundflora, der „Porphyromonas gingivalis“ in der Gelenkflüssigkeit von RA-Patienten nachgewiesen. Diese Bakterienart wird dann häufiger in der Mundhöhle gefunden, wenn das Immunsystem nicht ausreichend ausreichend intakt ist (zum Beispiel bei allgemeinen entzündlichen Erkrankungen oder unter das Immunsystem unterdrückender Therapie). Nach einer genauen Erklärung für diesen Nachweis wird derzeit geforscht. Möglicherweise kann diese Bakterienart auch die Bildung rheumatischer Antikörper fördern. Aufgrund des entzündlichen Geschehens können beispielsweise Menschen mit rheumatoider Arthritis vermehrt mit Zahnfleischproblemen zu tun haben. Aufgrund der oft eingeschränkten Fingerbeweglichkeit haben sie auch reduzierte Möglichkeiten der Mundhygiene und sind deshalb für Gingivitis und Parodontitis anfälliger. 

Kiefergelenkbeschwerden 

Viele Rheumapatienten berichten über zusätzliche Kiefergelenkbeschwerden, die hauptsächlich durch entzündliche Veränderungen, wie an den anderen Gelenken auch, bedingt sind. Diese Veränderungen können zur Zerstörung des Kiefergelenkköpfchens führen. Es gibt einige Erkrankungen, wie die progressiv systemische Sklerose (Sklerodermiepatienten), bei denen die Möglichkeit, den Mund zu öffnen, durch vernarbtes Bindegewebe deutlich reduziert ist. Diese kann bis zu zehn Zentimeter weniger betragen als bei Gesunden. Zusätzlich verstärken die Hautveränderungen dieses Problem, sodass eine gute Mundpflege nicht ausreichend möglich ist und somit das Risiko für Erkrankungen der Mundhöhle, des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates erhöht ist. Genaue Daten dazu werden derzeit untersucht.