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Gingivitis und Schwangerschaft: Siebenfaches Risiko einer Frühgeburt

Schwangeren Frauen entwickeln häufig eine Form der Schwangerschafts-Gingivitis. Der Grund dafür ist die Veränderung verschiedener Hormonspiegel im Körper während der Schwangerschaft. Durch die erhöhte Konzentration von Progesteron werden die Gefäße des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut erweitert und das Gewebe durchlässiger. Diese erhöhte Durchlässigkeit des Zahnfleisches ist verantwortlich dafür, dass während der Schwangerschaft bereits geringe Mengen von Plaque im Bereich des Zahnfleischsaumes zu Entzündungen führen können.

Seit Anfang der 90er Jahre weiß die zahnmedizinische Forschung um den Zusammenhang zwischen Zahnfleischerkrankungen und dem erhöhten Risiko von Frühgeburten bzw. Neugeborenen mit unterdurchschnittlichem Geburtsgewicht. Studien belegen, dass das Risiko einer Frühgeburt oder eines untergewichtigen Neugeborenen bei Frauen mit einer Parodontitis siebenmal höher als bei Frauen mit gesunden Zähnen und gesundem Zahnfleisch ist.

An der Fruchtblasenwandung von zu früh geborenen Kindern wiesen Forscher exakt die Keime nach, die zwischen Zahnfleisch und Zahn der Schwangeren zu finden sind. Zudem wissen wir um die Veränderung des Mundmilieus in der Schwangerschaft unter anderem wegen des geringeren Speichelflusses und einer niedrigeren Reinigungsfähigkeit des Speichels. Das durch die Schwangerschaft bedingte Wachstum des Zahnfleisches (Epulis gravidarum) bewirkt eine größere Anhaftung von Keimen als bei nicht schwangeren Frauen, so dass sich genau die Keime in hoher Anzahl hinter dem Zahnfleisch finden, die Probleme bei der Schwangerschaft bereiten können.

Neben einer Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt ist jede werdende Mutter gut beraten, ihre Mundhygiene mit noch größerer Sorgfalt zu betreiben – auch ihrem Baby zuliebe. Im Idealfall gibt es hier eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Gynäkologe, um die werdende Mutter aufzuklären und zur Mundpflege zu motivieren. Jetzt ist eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig. Auch während der Schwangerschaft empfiehlt sich ein zweimaliger Zahnarztbesuch, vorzugsweise im erste und im letzten Drittel der Schwangerschaft. Letztendlich sollte man Frauen, die eine Schwangerschaft planen, neben der pränatalen Vorsorge auch die eingehende Untersuchung ihres Zahn- und Mundgesundheitszustands empfehlen.

Auch wenn das Baby geboren ist, gilt: Mütter sollten keine kariösen Zähne mehr im Mund haben, denn die darin enthaltenen „Kariesbakterien“ (Stretococcus mutans) werden auf das Baby übertragen, wenn die Mutter den Breilöffel oder Schnuller ableckt. Das gleiche gilt natürlich auch für den Vater. Ohne es zu wollen, sind es also meist die Eltern, die ihr Kind mit den Karies auslösenden Streptococcus-mutans-Bakterien infizieren. Folgt später eine schlechte Mundhygiene mit belasteten Zahnbürsten, ist eine Re-Infektion auch beim Kind sehr wahrscheinlich - immer wieder werden sich die Mikroorganismen auf der Zahnoberfläche anlagern und bereits nach wenigen Stunden erste Kolonien, nach einigen Tagen ausgereifte Zahnbeläge (Plaque) bilden, die die Kariesentstehung forcieren können.

Weiterführende Literatur

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Riedel, Eberhard: Frauenärzte helfen bei der Bekämpfung der Parodontitis marginalis – Versorgungslücke geschlossen. Dentalspiegel

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