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Mundgeruch (Halitosis)

Was ist eigentlich Halitosis?

Halitosis bedeutet schlicht schlechter Atem, ein Problem, an dem viele Menschen von Zeit zu Zeit leiden. Dieser schlechte Atem entsteht vor allem in der Mundhöhle und meist durch Beläge auf der Zunge. Hauptursache von Halitosis sind  Geruchsaktive Bakterien, deren Stoffwechselprodukte den Mundgeruch hervorrufen.

Schätzungsweise leiden 40% der Bevölkerung zeitweise an chronischer Halitosis, wobei in etwa 90 % der Fälle die Ursache im Mundraum zu suchen ist. Erst an zweiter Stelle stehen Erkrankungen des Hals-Nasen-Ohren-Raums oder anderer Bereiche des Körpers. Sehr selten entsteht Mundgeruch durch Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt.

Woran erkenne ich, ob ich an Halitosis leide?

Manchmal beschleicht einen urplötzlich der Eindruck, dass mit dem eigenen Atem etwas nicht stimmt. Das Problem: Es ist gar nicht so einfach, sich selbst einen objektiven Eindruck des eigenen Atems zu machen. Mit den folgenden Verfahren können Sie selbst die Diagnose Mundgeruch überprüfen:

"Airbag" Test (am zuverlässigsten):
In einen geruchlosen, ausreichend großen (Beutelvolumen größer als Ausatemvolumen) Kunststoffbeutel atmen. In einen gut gelüfteten Raum gehen und den Beutel langsam vor der Nase ausdrücken.

Handgelenk-Leck-Test:
Wir reinigen das Handgelenk mit Wasser, trocknen es und reiben das Handgelenk
anschließend über die herausgestreckte Zunge. Dabei das Handgelenk möglichst weit hinten über den Zungenrücken ziehen. Lassen Sie die feuchte Haut 30 Sekunden trocknen und riechen dann am Handgelenk.

Wattestäbchen- oder Plastiklöffel-Test:
Sie nehmen ein Wattestäbchen und wälzen es unter leichtem Druck über den hinteren Zungenrücken. 30 Sekunden trocknen lassen und riechen. Oder nehmen Sie eine Probe des Zungenbelags mit einem Plastiklöffel (bitte kein Metalllöffel benutzen!) und riechen nach 30 Sekunden daran.

Speicheltest:
Spucken Sie 2-3 ml Speichel in ein kleines Weinprobierglas, decken das Glas 3-5 Minuten mit einem Glasdeckel ab und riechen dann in das Glas hinein.

Zahnseide Test:
Reinigen Sie die Backenzähne mit Zahnseide und riechen Sie an der Zahnseide.
Eine übel riechende Zahnseide lässt auf Mundgeruch schließen. Riecht die Zahnseide auch beim Fädeln an den Frontzähnen unangenehm, ist mit Sicherheit auch Mundgeruch vorhanden.

Denken Sie daran, dass am Morgen viele Menschen einen schlechten Atem haben. Dies liegt an dem verringerten Speichelfluss während der Nacht, wodurch Speisereste und bakterielle Zersetzungsprodukte nicht genügend abtransportiert werden. Gründliches Zähneputzen und Verwenden von Zahnseide vor dem zu Bett gehen sowie das Zähneputzen direkt nach dem Aufstehen sorgen üblicherweise für ein Verschwinden des morgendlichen schlechten Atems.

Der richtige Ansprechpartner ist auf jeden Fall der Zahnarzt. Er überprüft, ob der Mundgeruch vielleicht Anzeichen einer ernsten Erkrankung ist. Evtl. verfügt er auch über ein sog. Halimeter – das ist ein Messgerät zur Bestimmung des Mundgeruchs. Das Halimeter misst mit einem elektrochemischen Sensor die Menge flüchtiger Schwefelverbindungen, die sich in der ausgeatmeten Atemluft befinden.

Wie entsteht Mundgeruch?

Häufige Gründe für Mundgeruch sind:

  • Entzündungen der Mundschleimhaut oder des Zahnfleischs
  • Entzündungen des Zahnhalteapparats (Parodontitis)
  • andere Infektionen der Mundhöhle (z. B. Kandidose)
  • mangelnde Mundhygiene oder Zungenhygiene
  • schlechter Zahnstatus mit kariösen Zähnen
  • Infektionen im Nasen-Rachenraum
  • Bildung von Zahnfleischtaschen
  • Genuss von Alkohol
  • Essensrückstände
  • trockener Mund
  • Rauchen

Viele Menschen denken immer noch zunächst an eine systemische Erkrankung z. B. am Magen, wenn Sie Mundgeruch bei sich feststellen. Dabei zeigen neueste Untersuchungen auf, dass sogar in mehr als 85% der Fälle die Ursache für den Mundgeruch direkt im Rachen- Mundraum zu suchen ist. Hier leben über 300 verschiedene Bakterienarten. Etwa 80 davon, vornehmlich eiweißzersetzende Arten, sind für die unangenehme Geruchsbildung verantwortlich. Der Mundgeruch nämlich wird hervorgerufen durch flüchtige Schwefelverbindungen (VSC) wie Methylmercaptan oder Dimethylsulfid, welche bei der bakteriellen Zersetzung von Eiweißen in der Mundhöhle freigesetzt werden. Dieser Zersetzungsprozess ist an sich ein ganz normaler Vorgang, der nicht zwingend zu Mundgeruch führen muss. Entscheidend dafür, ob Mundgeruch entsteht oder nicht ist sowohl die Menge der geruchsbildenden Bakterien als auch das Gleichgewicht der Bakterien in der Mundhöhle.

Da sich 60% der Bakterien in der Mundhöhle auf dem Zungenrücken befinden spielt der Zungenbelag (v.a. am Zungengrund) sowohl bei der Entstehung als auch bei der Therapie von Mundgeruch eine wichtige Rolle. Weitere typische Schlupfwinkel von geruchsbildenden Bakterien in der Mundhöhle sind kariöse Zähne, überstehende Kronen- und Füllungsränder, lockere Kronen und Brücken, ungepflegter herausnehmbarer Zahnersatz, nicht vollständig durchgebrochene Weisheitszähne und besonders eng stehende Zähne.

Zu den aktivsten Produzenten übel riechender Verbindungen zählen die gingivitis- (Zahnfleischentzündung) und parodontitisverursachenden Bakterien. So besteht hier ein direkter Zusammenhang zwischen Schweregrad der Erkrankung und Stärke des Mundgeruchs. Verstärkt wird Mundgeruch aus der Mundhöhle bei reduziertem Speichelfluss und daraus resultierender Mundtrockenheit. Dies ist der Fall bei Mundatmung, Schnarchen, bei Einnahme bestimmter Medikamente (Antidepressiva, Blutdrucksenker, Appetitzügler), Fastenkuren, Stress, bei längerem Reden und beim Aufwachen.

Daneben kommen (häufig verstärkend) systemische Erkrankungen wie Krebs, Diabetes, Stoffwechselerkrankungen, Infektionen der Atemwege, Störungen von Leber und Niere in Frage.

Wie kann ich Mundgeruch vorbeugen?

Neben der Vermeidung von Lebensmitteln mit Alkohol oder Knoblauch, die zu einem schlechten Atem führen, ist intensive Mundhygiene noch immer das wirksamste Mittel gegen Mundgeruch:

Reinigen Sie also gründlich Ihre Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten und reinigen Sie regelmäßig Ihre Zunge mit dem Zungenreiniger.
Der Zungenreiniger/Zungenschaber bzw. die Zungenbürste sollten anschließend sorgfältig abgespült werden.

Was viele vergessen: Neben der Desinfektion der Zahnbürste empfiehlt sich auch die Desinfektion des Zungenreinigers, denn sonst re-infiziert man sich ggfs. genau mit den Keimen, die man bekämpfen möchte. Auch herausnehmbare Prothesen sollten vor dem Wiedereinsetzen jeweils gründlich gereinigt und ebenfalls desinfiziert werden, um die Mundhygiene zu verbessern und Mundgeruch so vorzubeugen.

Wenn Sie unter dauerhaftem Mundgeruch leiden, der sich nicht durch Zähneputzen und Reinigen der Zähne mit Zahnseide verbessert, besuchen Sie Ihren Zahnarzt, um eine gründliche zahnärztliche Untersuchung durchführen zu lassen, da dies einen Hinweis auf ein ernsteres Problem darstellen kann. Nur ein Zahnarzt kann Ihnen mitteilen, ob eine unzureichende Mundhygiene, eine Zahnfleischerkrankung, ein chronisch trockener Mund oder möglicherweise auch eine allgemeine Erkrankung die Ursache Ihres schlechten Atems darstellt. Besuchen Sie auch sonst regelmäßig (zweimal jährlich) Ihren Zahnarzt zur zahnärztlichen Kontrolluntersuchung und gehen Sie zur professionellen Zahnreinigung (PZR).

Was nicht gegen Mundgeruch hilft

Oft neigen Betroffene zum Überdecken des Geruchs durch den Dauerkonsum von Pfefferminzbonbons, Kaugummi, Eukalyptus- oder Mentholpastillen oder die Verwendung kosmetischer Mundwasser. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen ist jedoch nur vorübergehend und sie lösen das Problem nicht wirklich. Übrigens: Viele Patienten, die befürchten, dass sie Mundgeruch haben, denken dies zu Unrecht. Diese Angst vor (dem eigenen) Mundgeruch wird als Halitophobie bezeichnet.