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Krankenhausinfektionen ( "nosokomiale Infektionen")

Nosokomiale Infektionen sind in Krankenhäusern, Kliniken und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens erworbene Infektionen. Diese auch Krankenhausinfektion genannten Erkrankungen führen nicht nur zu zusätzlichem Leid bei Patienten und ihren Angehörigen, sie stellen auch einen erheblichen Kostenfaktor dar.

Mit der Entwicklung der modernen Medizin werden immer häufiger Operationen durchgeführt und invasive diagnostische und therapeutische Verfahren (z. B. Katheter, Beatmung, Dialyse) angewendet, um das Leben zu verlängern. Diese Maßnahmen vergrößern die Eintrittsmöglichkeiten von Erregern in den Körper oder sie beeinflussen das Immunsystem. Außerdem werden die Patienten älter oder haben verminderte Abwehrmechanismen. Viele von ihnen haben Antibiotikaresistenzen entwickelt. Dadurch treten nosokomiale Infektionen immer häufiger in den Vordergrund.

Die Umgebung des Krankenhauses an sich fördert ebenfalls die Ausbreitung von nosokomialen Infektionserregern, z. B. schaffen die Nähe zu anderen Patienten und nicht desinfizierte Hände des Personals günstige Bedingungen für die Übertragung. Das medizinische Personal ist im Allgemeinen heute mehr in Anspruch genommen als früher. Dadurch besteht die Gefahr, dass mangels Zeit selbst einfache Hygienemaßnahmen nicht wahrgenommen werden.

Die Bedeutung der Mundhygiene im Krankenhaus

Vor allem die Desinfektion von Oberflächen gilt als absolute Grundlage der Hygienepläne in Krankenhäusern. Doch eine „Kleinigkeit“ wird oft vergessen:  Auch der Kopf einer Zahnbürste hat eine erhebliche Fläche - die ca. 3.000 Borsten haben zusammengenommen eine Fläche von immerhin 150 Quadratzentimetern. Durch den direkten Kontakt mit dem Mund sind sie eine ideale Übertragungsquelle für nosokomiale Infektionen und durch den Kontakt der Borsten mit der Hand werden gegebenenfalls weitere Krankenhauskeime auf die Zahnbürste übertragen. Ihr Körper und ihr Immunsystem sind durch Krankheit oder Operation geschwächt, eventuell übertragene Keime durch die Krankheiten im Umfeld häufiger und zudem eher aggressiv oder multiresistent (Stichwort MRSA). Viele der Risikofaktoren wie Alter, Antibiotikaerfahrung, Diabetes, Krebs und Herzerkrankungen  kommen bei einem Krankenhausaufenthalt zusammen.

Insbesondere in Mehrbettzimmern leben Patienten mit anderen Erkrankten relativ eng zusammen und auch die Zahnbürsten dieser Erkrankten stehen leider häufig sehr dicht beisammen, so dass eine Kontamination nicht ausgeschlossen werden kann. Insbesondere wegen der mittlerweile vielfach vorhandenen Multiresistenzen ist hier Vorsicht geboten. Ebenso ist die immer noch häufige Anordnung der gemeinsam genutzten Toilette in einem Raum mit dem Waschbecken kritisch zu bewerten. Auf Zahnbürsten wurden schon Kolibakterien nachgewiesen, die in engen Badezimmern durch feine Wasservernebelungen dort hingelangt sind – spülen Sie die Toilette deshalb besser mit geschlossenem Deckel. Wir empfehlen deshalb die Desinfektion der Zahnbürste als kleinen, aber wirksamen Schritt, das Risiko einer nosokomialen Infektion etwas zu verringern.

Der Hamburger Hygieneexperte Herbert Widulle hält den Austausch oder die Desinfektion der Zahnbürste zur Verhinderung nosokomialer Infektionen sogar für die zweitwichtigste Prophylaxe nach der Händedesinfektion. Doch Einmalzahnbürsten werden von den Nutzern in der Regel als zu hart und auch als unpersönlich empfunden, denn mit der eigenen Zahnbürste nehmen viele ein „Stückchen Heimat“ mit in die Klinik. Der tägliche Austausch einer Qualitätszahnbürste ist teuer, eine zentrale Desinfektion aller Patientenzahnbürsten einer Klinik erscheint ebenfalls als unpraktisch und würde einen hohen Aufwand verursachen. Als Beitrag zur Verhinderung nosokomialer Infektionen empfehlen wir deshalb während und kurz nach einem Krankenhausaufenthalt die regelmäßige Zahnbürstendesinfektion mit anti-infect Dentalspray.

Ausmaß und Kosten nosokomialer Infektionen

Etwa 3,5 % aller Patienten in Deutschland bekommen auf Allgemeinstationen eine Krankenhausinfektion, auf Intensivstationen ca. 15 %. Gastmeier/Geffers von der Berliner Charité beziffern die Sterblichkeit bei solch einer Infektion mit 2,6% und kommen so auf immerhin 10.000 bis 15.000 nosokomial bedingte Todesfälle jährlich (je Akutklinik im Mittel 38 bis 86 jährlich bzw. 3 bis 7 Todesfälle monatlich). Die Todesfallrate nosokomialer Infektionen übertrifft also heutzutage die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland um das Vielfache.

Für ganz Europa schätzt das Europäische Centre for Prevention and Disease Control (ECDC) die Zahl nosokomialer Infektionen auf 3 Mio., davon sind 50.000 Fälle tödlich. Darüber hinaus beklagen Experten eine hohe Dunkelziffer nosokomialer Infektionen, da Statistiken in der Regel auf Zahlen aus Krankenhäusern mit höheren Hygienestandards als auf Zahlen von „durchschnittlich hygienischen“ Krankenhäusern basieren. 

Im Fall einer Infektion verlängert sich die Aufenthaltsdauer des Patienten, zusätzliche diagnostische Maßnahmen, Operationen, medikamentöse Behandlungen oder andere therapeutische Maßnahmen werden notwendig. Bei den Kosten fällt vor allem der verlängerte Krankenhausaufenthalt ins Gewicht. Das Robert-Koch-Institut beziffert etwa die Verlängerung der Krankenhausverweildauer aufgrund von NI für Pneumonie auf 5 bis 25 Tage, für Primäre Sepsis auf 5 bis 8 Tage und für postoperative Wundinfektionen auf 6 bis 24 Tage. Die mittleren Krankenhauskosten je NI-Fall schätzt das RKI auf eine Größenordnung von 10.000 Euro. Eine britische Studie zu den ökonomischen Folgen nosokomialer Infektionen ermittelte eine Erhöhung der Krankenhauskosten auf das 2,8fache.

Welche Maßnahmen noch gegen nosokomiale Infektionen helfen

Die Vermeidbarkeit von NI belegen die Niederlande: Dort liegt die Infektionsrate bei nur 0,6% anstatt 3,5 bis 5% in Deutschland. In erster Linie wird der Krankenhaushygiene dort große Aufmerksamkeit geschenkt und insgesamt mehr Geld für die Prävention von NI aufgewendet. Bedeutsam für die Prävention sind die Händedesinfektion, die Impfung des medizinischen Personals, die Isolierung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten, die Kontrolle der Antibiotika-Anwendung und die Reinigung, Desinfektion und Sterilisation von Instrumenten, Geräten und der kompletten Umgebung des Patienten. Viele Fachleute sind sich einige darin, dass bereits ein großer Schritt getan wäre, wenn nur die bestehenden Hygieneauflagen gewissenhaft eingehalten würden.

Europaweit haben in den letzten 5 Jahren MRSA-Fälle um 13% abgenommen, was auf entsprechende Aktivitäten in einzelnen Mitgliedstaaten (z.B. Frankreich und England, nicht jedoch Deutschland) zurückgeführt wird. So konnten in England MRSA-Bakteriämien um 75% zwischen 2003 und 2010 reduziert werden und Clostridium difficile-bedingte Durchfälle um 54% zwischen 2007 und 2010. Was im Straßenverkehr mit viel Forschung und Geld möglich ist – die Reduzierung der Zahl der Verkehrstoten von 20.000 in den 70er Jahren auf heute unter  4.000 – sollte auch im Gesundheitswesen möglich sein.

Weiterführende Literatur

Gastmeier/Geffers: Nosokomiale Infektionen in Deutschland: Wie viele gibt es wirklich? Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008

Mielke (RKI, Berlin) / Exner (Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit, Bonn): Ökonomische Aspekte nosokomialer Infektionen und ihrer Prävention (Referat)

Mins C, Dockrell HM, Goering RV, Roitt I, Wakelin D, Zuckerman M: Medizinische Mikrobiologie - Infektiologie mit Virologie und Immunologie, 2. Auflage; München 2007

Robert-Koch-Institut (Hrsg.): Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 8: Nosokomiale Infektionen

Rüden/Gastmeier: Rollen und Aufgaben der Hygienefachkräfte und des Krankenhaushygienikers unter besonderer Berücksichtigung von Kosten-Nutzen-Aspekten. Bundesgesundheitsblatt 4/2004

Wallhäußers Praxis der Sterilisation, Desinfektion, Antiseptik und Konservierung – Qualitätssicherung der Hygiene in Industrie, Pharmazie und Medizin, Thieme Verlag 2008.