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Alzheimer: höheres Risiko bei Parodontitis

Parodontale Erkrankungen beeinflussen auch das Gehirn – dies bestätigt jüngst eine Studie aus Großbritannien. Die Wissenschaftler der University of Central Lancashire konnten erstmals bei Demenzpatienten die Bakterienart Porphyromonas gingivalis im Gehirn nach weisen. Sie untersuchten für die Forschung gespendete Gehirne, zehn davon von Alzheimerpatienten und zehn von nicht erkrankten Personen. Bei den Proben der erkrankten Personen war das Bakterium Porphyromonas gingivalis vorhanden. Das Bakterium gelangt bei Erkrankung in die Blutbahn und regt das Immunsystem an, chemische Stoffe freizusetzen, die im Gehirn wiederum Neuronen zerstören. Dadurch entstehen im Gehirn Alzheimer-typische Strukturveränderungen. Die Arbeitsgruppe arbeitet gleichzeitig an einer Untersuchung von Parodontitis, in der sie konkret den Weg von P. gingivalis bei einer bereits erfolgten Erkrankung in das Gehirn nachweisen konnten (diese Ergebnisse sind zurzeit noch nicht veröffentlicht). Der Zusammenhang zwischen parodontalen Infekten und dem Absterben von Nervenzellen wird damit belegt. Die Immunantwort auf das Bakterium führt durch Strukturabbau zum Verlust der Erinnerungsfähigkeit. (Quelle: BDIZ EDI Aktuell 3/2013)

Eine frühere Studie aus Barcelona (2010) bestätigte ebenfalls den Zusammenhang zwischen chronischen Infektionen des Zahnhalteapparates und geringen kognitiven Hirnleistungen. Demnach können chronische bakterielle Zahnbettinfektionen auch Entzündungsreaktionen in entfernten Körperteilen auslösen. Jetzt bestätigt eine amerikanisch-dänische Langzeitstudie, dass alte Menschen, die unter Parodontitis leiden, mit größerer Wahrscheinlichkeit an Alzheimer erkranken als Vergleichspersonen mit gesunden Zähnen. Bereits 2010 vermuteten die Forscher auf der damaligen Jahrestagung der International Association for Dental Research in Barcelona, dass die Zahninfektion Entzündungsreaktionen im Gehirn verstärkt, die Hirnzellen absterben lassen und die Entwicklung einer Demenz begünstigen.

"Parodontitis ist eine periphere chronische Infektion, die sich auf Hirnfunktionen auswirken könnte", erklärten Angela Kamer von der New York University und ihre Kollegen. Die Forscher hatten Daten von 152 Menschen ausgewertet, die im Alter von 50 und 70 Jahren an einem standardisierten Test zur Messung kognitiver Hirnfunktionen teilgenommen hatten. Bei den 70-Jährigen wurde zusätzlich ein Parodontitis-Index als Maß für Zahnbettinfektionen ermittelt. 70-Jährige mit ausgeprägter Parodontitis zählten mit sechsmal größerer Wahrscheinlichkeit zur Gruppe der Probanden mit den schlechtesten Ergebnissen im Hirnfunktionstest. Dabei waren andere Einflussfaktoren wie Geschlecht, Bildungsstand, Tabakkonsum, Body-Mass-Index, Bluthochdruck und Blutfettwerte bereits berücksichtigt. Der enge Zusammenhang zwischen Parodontitis und kognitiven Fähigkeiten im Alter von 70 Jahren bestand unabhängig davon, wie die Personen 20 Jahre zuvor im Hirnfunktionstest abgeschnitten hatten.

Eine weitere frühe Studie von Kamer hatte bereits ergeben, dass Alzheimer-Patienten einen stark erhöhten Blutspiegel bestimmter Antikörper und entzündungstypischer Substanzen aufweisen, die als Merkmale einer Parodontitis gelten. Die neuen Forschungsergebnisse unterstützen die Annahme, dass - unabhängig von der kognitiven Hirnleistung - Zahnbettinfektionen zur Entwicklung einer Demenz beitragen können. (Quelle: "Periodontal Inflammation and Cognitive Function in an Older-Adult Danish Population", Posterpräsentation von Angela R. Kamer et al. zur Jahrestagung der International Association for Dental Research in Barcelona, zit. nach „Wissenschaft aktuell“)